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Praxis

Sadhana: die Morgenpraxis im Kundalini Yoga

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Wer im Kundalini Yoga von „Sadhana“ spricht, meint meist die frühe Morgenpraxis – im Idealfall vor Sonnenaufgang, allein oder in der Gruppe. Für viele Übende ist sie das Herz ihrer Praxis. Für andere klingt 4 Uhr morgens eher nach Zumutung. Beides ist verständlich.

JapjiKriya & RuheMantras · 62 Min.2½ Stunden vor SonnenaufgangSonnenaufgangAquarian Sadhana · Aufbau
Zeitbogen vor Sonnenaufgang mit den drei Teilen der Sadhana: Lesung, Kriya, Mantra-Meditation

Was das Wort bedeutet

Sadhana ist ein Sanskritwort für „spirituelle Übung“ oder „Disziplin“. Im weiteren Sinn ist damit jede regelmäßige Praxis gemeint, die du dir selbst vornimmst. Im Kundalini Yoga hat sich der Begriff für die tägliche Übung am frühen Morgen eingebürgert.

Die „ambrosischen Stunden“

Nach der Lehre sind die zweieinhalb Stunden vor Sonnenaufgang besonders geeignet: Die Stadt ist still, der Kopf noch nicht voller Aufgaben. Diese Zeit wird als „Ambrosial Hours“ bezeichnet. In Berlin bedeutet das im Sommer einen Beginn gegen zwei oder drei Uhr, im Winter gegen sechs Uhr. Kaum jemand hält das dauerhaft ein, und das ist auch nicht nötig.

Aufbau der Aquarian Sadhana

Die bekannteste Form ist die „Aquarian Sadhana“, die Yogi Bhajan Anfang der 1990er-Jahre für das angebrochene Wassermann-Zeitalter vorstellte. Sie dauert rund zweieinhalb Stunden und hat drei Teile:

  1. Japji Sahib – das Morgengebet aus der Sikh-Tradition wird gelesen oder rezitiert, etwa 20 bis 25 Minuten.
  2. Kriya – eine Übungsreihe aus dem Kundalini Yoga, gefolgt von einer kurzen Entspannung.
  3. Mantra-Meditation – sieben Mantras in insgesamt 62 Minuten. Sie beginnt mit sieben Minuten „Long Ek Ong Kar“ und enthält als längsten Teil 22 Minuten „Wahe Guru Wahe Jio“.

In der Mantra-Meditation wird gemeinsam gesungen, oft zu Aufnahmen. Die Mantras selbst stellt der Beitrag über Mantras vor.

Gruppen-Sadhana in der Stadt

In größeren Städten gibt es immer wieder Gruppen, die sich einmal pro Woche oder im Monat zur gemeinsamen Morgenpraxis treffen, oft in einem Studio oder einer Privatwohnung. Besonders beliebt sind Sadhanas zu besonderen Anlässen, etwa zur Sommer- oder Wintersonnenwende. Wer einmal um fünf Uhr morgens mit 20 Menschen gesungen hat, versteht, warum viele davon schwärmen.

Klein anfangen

Die volle Sadhana ist für die meisten Menschen mit Job und Familie nicht machbar. Eine persönliche Sadhana darf viel kürzer sein:

  • 3 Minuten Einstimmen und Wirbelsäulenflex
  • 11 Minuten eine einfache Kriya oder Atemübung
  • 11 Minuten Meditation
  • 3 Minuten Stille

Das sind knapp 30 Minuten. Übe sie 40 Tage lang zur gleichen Zeit, am besten direkt nach dem Aufstehen. Die Uhrzeit ist weniger wichtig als die Regelmäßigkeit.

Warum es funktioniert

Unabhängig von der spirituellen Deutung hat eine feste Morgenroutine gute Gründe auf ihrer Seite: Sie gibt dem Tag einen ruhigen Anfang, bevor Nachrichten und E-Mails ihn bestimmen. Und sie baut eine Gewohnheit auf, die nicht von Motivation abhängt. An müden Tagen trägt dich die Routine, nicht der Wille.

Passende Meditationen für eine kurze Sadhana findest du unter Kundalini-Meditation, Übungsreihen im Beitrag über Kriyas.

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