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Praxis

Die Chakren im Kundalini Yoga

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Wer eine Kundalini-Stunde besucht, hört früher oder später Sätze wie „Wir arbeiten heute am dritten Chakra“. Gemeint ist ein Modell des Menschen, das aus der indischen Tradition stammt und im Kundalini Yoga eine zentrale Rolle spielt. Es hilft, die Absicht hinter vielen Übungen zu verstehen – auch dann, wenn du es nicht wörtlich nehmen möchtest.

Indische Darstellung von 1899 mit sieben Chakren entlang des Körpers einer sitzenden Figur
Sapta Chakra – die sieben Zentren in einer indischen Darstellung von 1899Bild: unbekannter Künstler · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Rad, Kanal, Lotus

Chakra heißt auf Sanskrit „Rad“ oder „Kreis“. In tantrischen Schriften bezeichnet das Wort Zentren entlang der Wirbelsäule, an denen sich Lebensenergie – Prana – sammelt und verteilt. Oft werden sie als Lotusblüten mit einer bestimmten Zahl von Blütenblättern dargestellt.

Verbunden sind sie durch Energiebahnen, die Nadis. Drei davon sind besonders wichtig: Ida auf der linken und Pingala auf der rechten Seite, die sich um die Wirbelsäule winden, und in der Mitte Sushumna. Nach dieser Vorstellung steigt die Kundalini-Kraft durch Sushumna nach oben, wenn die beiden Seitenkanäle im Gleichgewicht sind. Viele Atemübungen, etwa die Wechselatmung, beziehen sich genau auf dieses Bild – mehr dazu im Beitrag zu Pranayama.

Die sieben Zentren im Überblick

Nr.NameLageHäufige Zuordnung
1MuladharaBeckenbodenErdung, Sicherheit
2SvadhisthanaUnterbauchKreativität, Sexualität
3ManipuraNabelbereichWillenskraft, Verdauung
4AnahataHerzMitgefühl, Beziehung
5VishuddhaKehleAusdruck, Wahrhaftigkeit
6AjnaStirnpunktIntuition, Klarheit
7SahasraraScheitelVerbundenheit, Weite

Die rechte Spalte gibt die heute verbreiteten Deutungen wieder. Sie unterscheiden sich je nach Schule, und viele davon sind erst im 20. Jahrhundert entstanden, als westliche Autoren die indischen Texte mit Begriffen aus Psychologie und Esoterik verbanden.

Das achte Zentrum: die Aura

Eine Besonderheit des Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan ist die Aura als achtes Chakra – ein elektromagnetisches Feld, das den Körper umgibt und alle anderen Zentren „zusammenhält“. Übungen mit ausgestreckten Armen, etwa Armkreisen oder das minutenlange Halten der Arme im 60-Grad-Winkel, werden oft mit der Stärkung der Aura begründet. In der Lehre von den zehn Körpern taucht die Aura als siebter Körper wieder auf.

Das Nabelzentrum als Motor

In der Praxis bekommt ein Zentrum besonders viel Aufmerksamkeit: der Nabelpunkt, im Kundalini Yoga oft einfach „Nabel“ genannt. Fast jede Kriya enthält Übungen, bei denen der Nabel rhythmisch nach innen gezogen wird – beim Feueratem, bei Sat Kriya oder beim Beinheben im Liegen. Die Begründung: Vom Nabel aus werde die Energie in Bewegung gesetzt. Rein körperlich trainieren diese Übungen die tiefe Bauchmuskulatur und das Zwerchfell, was sich spürbar auf die Haltung auswirkt.

Wie viele Chakren gibt es wirklich?

Die Zahl sieben ist keineswegs selbstverständlich. Ältere tantrische Texte kennen Systeme mit vier, sechs oder deutlich mehr Zentren. Das heute bekannte Siebener-Modell geht vor allem auf den Text Ṣaṭ-cakra-nirūpaṇa aus dem 16. Jahrhundert zurück, den John Woodroffe 1919 ins Englische übertrug. Die farbigen Regenbogen-Chakren vieler Poster sind eine noch jüngere Erfindung.

Ein einfacher Einstieg

Setz dich aufrecht hin, schließe die Augen und wandere mit der Aufmerksamkeit von unten nach oben durch die sieben Bereiche. Verweile bei jedem etwa fünf Atemzüge. Spüre, wo es sich warm, eng, weit oder taub anfühlt, ohne es zu bewerten. Diese kleine Übung von fünf bis zehn Minuten zeigt dir mehr über das Modell als jede Tabelle.

Wer tiefer einsteigen möchte, findet in den Beiträgen über Mudras und Bandhas und Kundalini-Meditation Übungen, die gezielt mit einzelnen Zentren arbeiten.

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