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Praxis

Ishnaan: die kalte Dusche im Kundalini Yoga

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Lange bevor Eisbaden zum Trend wurde, gehörte die kalte Dusche im Kundalini Yoga zum Morgenritual. Sie heißt Ishnaan und steht traditionell vor der Sadhana. Was dahintersteckt, wie man sie ausführt und was die Forschung dazu sagt, erklärt dieser Beitrag.

warmkalt30–90 Sek.
Duschkopf mit fallenden Tropfen und ein Temperaturbalken von warm nach kalt

Was Ishnaan bedeutet

Ishnaan ist das Gurmukhi-Wort für „Bad“ oder „Waschung“. In der Tradition der Sikhs ist das morgendliche Bad vor dem Gebet üblich. Im Kundalini Yoga wurde daraus eine eigene Übung: kaltes Wasser, verbunden mit einer kräftigen Massage der Haut. Nach der Lehre öffnet und schließt das Wechselspiel die Kapillaren, stärkt den Kreislauf und macht wach für die Morgenpraxis. Schon die frühen Berliner Kundalini-Seiten widmeten dem Thema „Kalt-Wasser-Anwendungen“ einen eigenen Abschnitt.

So wird Ishnaan überliefert

  1. Massiere den Körper mit etwas Mandel- oder Sesamöl ein.
  2. Stell dich unter die kalte Dusche und massiere die Haut kräftig, bis sie sich warm anfühlt.
  3. Tritt aus dem Wasser, wenn der Körper sich zu wehren beginnt, und wieder hinein. Drei bis vier Durchgänge sind üblich.
  4. Frottiere dich anschließend kräftig ab und zieh dich warm an.

In der Überlieferung wird empfohlen, die Oberschenkel mit einer kurzen Hose bedeckt zu lassen und während der Menstruation auf die kalte Dusche zu verzichten. Viele Übende beginnen heute sanfter: erst warm duschen, dann 30 Sekunden kalt.

Was die Forschung sagt

Speziell zu Ishnaan gibt es keine Studien, zu kalten Duschen aber eine bemerkenswert große. Ein niederländisches Team um Geert Buijze ließ 2016 über 3.000 Erwachsene 30 Tage lang ihre warme Dusche mit 30, 60 oder 90 Sekunden kaltem Wasser beenden. Eine Kontrollgruppe duschte wie gewohnt.

Das Ergebnis, veröffentlicht in der Fachzeitschrift PLOS ONE: Die Kaltduscher meldeten sich rund 29 Prozent seltener krank bei der Arbeit. Die Zahl der Tage, an denen sie sich krank fühlten, sank dagegen nicht deutlich. Die Forschenden vermuteten, dass die kalte Dusche eher das Gefühl von Energie stärkt, als Krankheiten zu verhindern. Die Länge des kalten Abschnitts machte kaum einen Unterschied. Die Studie ist frei zugänglich.

Ein sanfter Einstieg

  • Woche 1 – nach der warmen Dusche 15 Sekunden kalt über Arme und Beine.
  • Woche 2 – 30 Sekunden, dazu Rücken und Bauch.
  • Woche 3 – 60 Sekunden am ganzen Körper, dabei ruhig und lang atmen.
  • Danach – wer mag, probiert die überlieferte Form mit Öl und mehreren Durchgängen.

Das Wichtigste ist der Atem. Wer beim kalten Wasser nach Luft schnappt, hält unwillkürlich die Luft an und verkrampft. Langer tiefer Atem durch die Nase – wie im Beitrag über Pranayama beschrieben – macht die Kälte erträglicher und ist selbst schon eine kleine Übung.

Kaltes Wasser in Berlin

Wer die Erfahrung ausweiten möchte, findet in Berlin Gruppen, die im Winter in Seen baden. Das ist deutlich intensiver als eine Dusche und sollte nur mit Erfahrung, Begleitung und an bewachten oder bekannten Stellen gemacht werden. Für die tägliche Praxis reicht die Dusche zu Hause völlig.

Warum es vielen guttut

Unabhängig von allen Versprechen erleben viele Menschen die kalte Dusche als kleinen täglichen Sieg: Man tut etwas Unangenehmes freiwillig und fühlt sich danach wach und klar. Genau diese Erfahrung – Widerstand bemerken, weiteratmen, loslassen – ist auch der Kern vieler Übungen im Kundalini Yoga. Mehr dazu im Beitrag Kundalini Yoga zur Stressbewältigung.

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