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Praxis

Mudras und Bandhas im Kundalini Yoga

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

In fast jeder Kundalini-Übung stecken zwei unscheinbare Details: eine bestimmte Haltung der Hände und am Ende eine kurze Anspannung von Muskeln. Beides hat einen Namen – Mudra und Bandha – und beides soll nach yogischer Vorstellung die Energie lenken und „versiegeln“. Praktisch helfen sie vor allem, die Aufmerksamkeit zu bündeln.

Historische indische Illustration eines Yogis in der Haltung Mahamudra
Mahamudra in einer historischen Darstellung der Joga PradipikaBild: Joga Pradipika (Ramanandi Jayatarama) · gemeinfrei · Wikimedia Commons

Mudras: Gesten mit Bedeutung

Mudra heißt „Siegel“ oder „Geste“. Im Kundalini Yoga sind meist Handhaltungen gemeint, bei denen Fingerspitzen einander berühren. Nach der Lehre steht jeder Finger für eine bestimmte Eigenschaft und einen Planeten. Wer das nicht glauben mag, kann Mudras trotzdem nutzen: Der leichte Druck der Fingerspitzen gibt der Aufmerksamkeit einen festen Ort im Körper.

Die vier Grund-Mudras

MudraFinger berühren den DaumenTraditionelle Zuordnung
Gyan MudraZeigefingerWissen, Ruhe
Shuni MudraMittelfingerGeduld, Ausdauer
Surya MudraRingfingerVitalität, Gesundheit
Buddhi Mudrakleiner FingerKommunikation, Klarheit

Gyan Mudra ist die häufigste Haltung beim Sitzen und Meditieren. Die Handrücken ruhen auf den Knien, die Arme sind locker gestreckt.

Weitere Handhaltungen

  • Gebetshaltung – die Handflächen liegen vor dem Brustbein aneinander. So beginnt jede Stunde.
  • Venus-Schloss – die Finger sind verschränkt, die Daumen liegen übereinander. Wird oft in Übungen mit erhobenen oder hinter dem Kopf gefalteten Händen genutzt.
  • Bärengriff – die Hände verhaken sich vor der Brust, die Finger gekrümmt, und ziehen gegeneinander.

In der bekannten Meditation Kirtan Kriya wandern die Finger nacheinander zum Daumen, synchron mit den Silben „Sa Ta Na Ma“. Mehr dazu unter Kundalini-Meditation.

Bandhas: die Körperschlösser

Bandha bedeutet „Verschluss“ oder „Band“. Gemeint ist ein bewusstes Anspannen bestimmter Muskelgruppen, meist kurz am Ende einer Übung, während der Atem angehalten wird. Drei davon sind zentral:

  • Mul Bandh (Wurzelschloss) – Beckenboden, Anus und Unterbauch werden sanft zusammen- und nach oben gezogen, der Nabel Richtung Wirbelsäule.
  • Uddiyana Bandh (Zwerchfellschloss) – nach dem Ausatmen wird der Bauch nach innen und oben gezogen. Nur auf nüchternen Magen und ohne Druck üben.
  • Jalandhar Bandh (Nackenschloss) – das Kinn wird leicht nach hinten gezogen, der Nacken lang. Diese Haltung wird in fast jeder Meditation dauerhaft gehalten.

Werden alle drei gleichzeitig angewandt, spricht man von Maha Bandh, dem großen Schloss.

Warum das Wurzelschloss so oft vorkommt

In der yogischen Erklärung „versiegelt“ Mul Bandh die Energie einer Übung und lenkt sie die Wirbelsäule hinauf – daher der Name Energieversiegelung. Körperlich ist es schlicht Beckenbodentraining, verbunden mit einem Moment völliger Aufmerksamkeit. Viele Übende empfinden den Wechsel aus Anspannung und Loslassen als klaren Abschluss, der die Wirkung der vorangegangenen Minuten spürbar macht.

Jalandhar BandhNackenschlossUddiyana BandhZwerchfellMul BandhWurzelschloss
Die drei Bandhas als Zonen am sitzenden Körper: Beckenboden, Bauch und Hals

So übst du ein Bandha richtig

Setz dich aufrecht hin. Atme vollständig ein, halte den Atem ohne Druck und ziehe Beckenboden und Nabel sanft nach innen. Das Kinn geht leicht nach hinten. Halte fünf bis zehn Sekunden, atme aus, entspanne alles bewusst. Nach einer kleinen Pause kannst du das Ganze mit leerer Lunge wiederholen.

Die Chakren, auf die sich viele dieser Haltungen beziehen, stellt der Beitrag über die Chakren vor. Wo Bandhas in längeren Übungsreihen auftauchen, zeigt der Artikel über Kriyas.

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