Literatur und Quellen zum Kundalini Yoga
Wer Kundalini Yoga verstehen will, kommt mit Übungsbüchern allein nicht weit. Mindestens ebenso wichtig sind die älteren Texte, auf die sich die Tradition beruft, und die Forschung, die ihre jüngere Geschichte untersucht. Diese Auswahl mischt bewusst beides. Sie ist eine Lesehilfe, keine vollständige Bibliografie.
Klassische Texte
Svatmarama: Hatha Yoga Pradipika (15. Jahrhundert). Der wichtigste mittelalterliche Text des Hatha Yoga beschreibt Haltungen, Atemtechniken, Bandhas und die Erweckung der Kundalini. Es gibt mehrere deutsche Übersetzungen mit Kommentar. Wer den Beitrag über Hatha Yoga gelesen hat, findet hier die Quelle vieler Begriffe.
Arthur Avalon (John Woodroffe): The Serpent Power (1919). Die erste ausführliche englische Darstellung der Kundalini-Lehre, mit Übersetzungen tantrischer Texte über die sechs Chakren. Schwer zu lesen, aber prägend für alles, was im Westen später über Chakren geschrieben wurde. Mehr dazu im Beitrag über die Chakren.
Übungsbücher
Aus der Tradition von 3HO gibt es zahlreiche Handbücher mit Kriyas und Meditationen, die aus Mitschriften von Yogi Bhajans Kursen entstanden sind. Das umfangreiche Lehrerhandbuch The Aquarian Teacher bildet die Grundlage der Level-1-Ausbildung. Für den Einstieg verbreitet ist außerdem Kundalini Yoga: The Flow of Eternal Power von Shakti Parwha Kaur Khalsa, einer der ersten Schülerinnen Yogi Bhajans. Viele dieser Bücher gibt es auch auf Deutsch.
Beim Lesen lohnt es sich, zwischen Anleitung und Begründung zu unterscheiden. Die Anleitungen sind meist präzise. Die Begründungen – etwa welche Drüse eine Übung anregt – sind oft Lehrerzählungen ohne wissenschaftliche Grundlage.
Geschichte und Forschung
Philip Deslippe: From Maharaj to Mahan Tantric (2012). Ein Aufsatz in der Fachzeitschrift Sikh Formations, der die Entstehung des Kundalini Yoga nach Yogi Bhajan historisch nachzeichnet. Deslippe zeigt, wie aus Hatha-Übungen, tantrischen Vorstellungen und Sikh-Mantras ein neues System entstand. Grundlegend für den Leitfaden auf dieser Seite.
Mark Singleton: Yoga Body (2010). Kein Buch über Kundalini Yoga, aber eine vielbeachtete Studie darüber, wie das moderne Haltungsyoga im 20. Jahrhundert entstand. Hilft, die Behauptung „jahrtausendealt“ bei vielen Yogastilen einzuordnen.
Kritische Stimmen
Pamela Saharah Dyson: Premka – White Bird in a Golden Cage (2019). Die Erinnerungen einer langjährigen engen Mitarbeiterin Yogi Bhajans. Das Buch löste die Untersuchung aus, deren Bericht 2020 veröffentlicht wurde. Hintergründe im Beitrag über Yogi Bhajan und in Kundalini Yoga heute.
Online-Quellen
- Die englische Wikipedia-Seite zu Kundalini Yoga fasst die historische Kundalini-Lehre, Yogi Bhajans System und die jüngeren Kontroversen mit Quellenangaben zusammen.
- Die deutsche Wikipedia-Seite zum Kundalini Yoga bietet einen kürzeren Überblick.
- Die im Beitrag Kundalini Yoga gegen Stress besprochene Studie aus JAMA Psychiatry und die im Beitrag über Ishnaan zitierte Kaltdusch-Studie aus PLOS ONE sind beide frei zugänglich.
Bibliotheken in Berlin
Viele der genannten Bücher findest du in den Berliner Öffentlichen Bibliotheken, deren gemeinsamer Katalog alle Bezirke umfasst. Für englische Fachliteratur und Zeitschriftenaufsätze wie den von Deslippe lohnt ein Blick in die Universitätsbibliotheken der Humboldt-Universität und der Freien Universität, die für die Ausleihe vor Ort meist auch externe Leserinnen und Leser zulassen. Für die Praxis gilt wie immer: Ein Buch ersetzt keine Stunde. Wie du in Berlin eine findest, steht im Beitrag Kundalini Yoga in Berlin.