Ausbildung zur Kundalini-Yogalehrerin und zum Kundalini-Yogalehrer
Viele, die ein paar Jahre Kundalini Yoga üben, spielen irgendwann mit dem Gedanken, selbst zu unterrichten – oder einfach tiefer einzusteigen. In Berlin gibt es dafür mehrere Ausbildungswege. Dieser Überblick zeigt, wie sie aufgebaut sind und worauf du achten solltest.
Der klassische Aufbau
Die verbreitetste Ausbildung ist in Stufen gegliedert. Die erste Stufe, oft „Level 1“ genannt, qualifiziert zum Unterrichten. Sie umfasst nach den Vorgaben des Kundalini Research Institute 220 Stunden: rund 180 Stunden im Unterricht und 40 Stunden Selbststudium, darunter eine 40-tägige Meditationspraxis und praktische Aufgaben. Wer sie abschließt, erfüllt auch die Anforderungen der Yoga Alliance für den international verbreiteten Standard „RYT 200“.
Darauf bauen weitere Stufen auf. Sie vertiefen einzelne Themen in Modulen – etwa Lebenszyklen, Stress, Bewusstsein und Beziehungen – und verlangen mehr eigene Praxis. Die höchste Stufe ist eher ein langjähriger Weg als ein Kurs.
Inhalte der ersten Stufe
- Praxis – Kriyas, Meditationen und Atemtechniken, die du selbst sicher beherrschen musst.
- Anatomie und Physiologie – Grundlagen zu Muskeln, Atmung, Nervensystem und Drüsen.
- Yogische Anatomie – Chakren, Nadis und die zehn Körper.
- Philosophie und Geschichte – Herkunft des Yoga, Sikh-Einflüsse und die Geschichte der eigenen Tradition.
- Unterrichten – Stunden aufbauen, Anleitungen geben, mit Gruppen umgehen, Varianten anbieten.
- Lebensstil – Ernährung, Tagesrhythmus, Sadhana.
Die einzelnen Themen stellt diese Seite in eigenen Beiträgen vor, etwa Kriyas, Chakren und Sadhana.
Zeitaufwand und Format
In Berlin werden die meisten Ausbildungen berufsbegleitend angeboten: an Wochenenden über etwa ein Jahr verteilt, oft ergänzt durch einen mehrtägigen Intensivblock. Dazu kommen Hausaufgaben, Übungsstunden und die tägliche eigene Praxis. Rechne mit mehreren Stunden pro Woche zusätzlich zu den Präsenzterminen.
Kosten
Die Preise unterscheiden sich stark. Für die erste Stufe liegen sie häufig im Bereich mehrerer tausend Euro, dazu kommen Bücher, Prüfungsgebühren und gegebenenfalls Unterkunft bei Intensivwochen. Frag nach, was im Preis enthalten ist, ob Ratenzahlung möglich ist und wie mit versäumten Terminen umgegangen wird.
Worauf du bei der Schulwahl achten solltest
Seit dem Untersuchungsbericht über Yogi Bhajan im Jahr 2020 hat die Frage, wie eine Schule mit der Geschichte umgeht, besonderes Gewicht. Frag offen nach – eine gute Schule weicht nicht aus. Weitere Punkte:
- Transparenz – Lehrplan, Stundenzahl, Abschluss und Kosten liegen schriftlich vor.
- Qualifikation – die Ausbildenden haben selbst langjährige Unterrichtserfahrung.
- Gruppengröße – bei sehr großen Gruppen bleibt wenig Zeit für individuelle Rückmeldung.
- Umgang mit Grenzen – körperliche Hilfestellungen nur mit Einverständnis, keine Übung ist Pflicht.
- Offenheit – kritische Fragen sind willkommen, niemand wird zu Lebensstilentscheidungen gedrängt.
- Probestunde – ein Infoabend oder eine offene Stunde mit dem Ausbildungsteam.
Hintergründe zu diesem Thema findest du im Beitrag Kundalini Yoga heute.
Ausbildung auch ohne Lehrabsicht
Viele Teilnehmende wollen gar nicht unterrichten. Sie suchen eine strukturierte Vertiefung ihrer eigenen Praxis und den Austausch mit einer festen Gruppe. Das ist ein legitimer Grund. Frag die Schule, ob es neben der Lehrerausbildung auch Vertiefungskurse gibt – sie sind meist kürzer und günstiger.
Wie du in Berlin überhaupt Kurse und Lehrkräfte findest, um eine Schule vorher kennenzulernen, erklärt der Beitrag Kundalini Yoga in Berlin.