Gatka: die Kampfkunst der Sikhs
Auf Kundalini-Festivals und in manchen Camps sieht man neben Matten und Meditationskissen auch Holzstöcke und kleine Schilde. Sie gehören zu Gatka, der traditionellen Kampfkunst der Sikhs. Schon die frühen Berliner Kundalini-Seiten führten Gatka als eigenes Thema. Dieser Beitrag erklärt, was dahintersteckt.

Herkunft
Gatka stammt aus dem Punjab, der Region im Nordwesten Indiens und Osten Pakistans, aus der auch die Sikh-Religion kommt. Die Kampfkunst entwickelte sich aus einem älteren System des Waffenkampfs und ist eng mit der Geschichte der Sikhs verbunden. Besonders die Gurus Hargobind und Gobind Singh, die ihre Gemeinschaft gegen Verfolgung verteidigen mussten, gelten als prägende Figuren. Der Sikh-Glaube verbindet seitdem Spiritualität und Wehrhaftigkeit: der Heilige, der zugleich Krieger ist.
Stöcke, Schilde und Klingen
Beim Üben kommen vor allem Holzstöcke zum Einsatz, die ein Schwert ersetzen, dazu ein kleiner runder Schild. In der traditionellen Form werden außerdem echte Waffen gezeigt, etwa der gebogene Kirpan, das zweischneidige Khanda, Speere und Stoßdolche. Ein bekanntes Element sind Schaukämpfe mit mehreren Gegnern und kunstvolle Schwünge mit Waffen an Ketten oder Seilen.
Sport und Ritual
Heute gibt es zwei Formen:
- Khel – die sportliche Wettkampfform mit festen Regeln, Punkten und Schutz. Ein internationaler Verband wurde in den 1980er-Jahren gegründet und hat die Regeln vereinheitlicht.
- Rasmi – die traditionelle, rituelle Form. Sie wird bei religiösen Festen und Umzügen vorgeführt, etwa beim Frühlingsfest Hola Mohalla in Anandpur Sahib.
Eine besondere Rolle spielen die Nihangs, ein Orden von Sikh-Kriegern in blauer Kleidung, der die alten Kampftechniken über Jahrhunderte bewahrt hat – auch in Zeiten, in denen sie unter britischer Kolonialherrschaft unterdrückt wurden.
Warum Gatka zur Kundalini-Szene passt
Kundalini Yoga, wie es Yogi Bhajan unterrichtete, ist eng mit der Kultur der Sikhs verbunden: durch Mantras in Gurmukhi, durch die weiße Kleidung und durch viele Übende, die selbst Sikhs wurden. Gatka war daher schon früh ein Angebot auf Sommercamps und Festivals. Für manche ist es einfach Bewegung, für andere eine Meditation in Aktion.
Tatsächlich hat Gatka viel mit Yoga gemeinsam: Rhythmus, Atem, Konzentration, das Zusammenspiel von Anspannung und Lockerheit. Die Grundschritte folgen einem festen Takt, oft zu Trommeln. Wer einmal minutenlang mit einem Stock im Achterrhythmus geschwungen hat, weiß, wie meditativ das sein kann.
Gatka ausprobieren
In Deutschland wird Gatka vor allem in Sikh-Gemeinden, bei einzelnen Kampfsportschulen und gelegentlich auf Yogafestivals angeboten. Für den Einstieg reicht bequeme Kleidung. Stöcke und Schilde stellt die Gruppe meist zur Verfügung. Kinder sind häufig ab etwa acht Jahren willkommen – spielerische Übungen mit Rhythmus passen gut zu dem, was der Beitrag über Kinderyoga beschreibt.
Mehr über die Sprache und Herkunft der Mantras, die Kundalini Yoga mit der Sikh-Tradition teilt, erfährst du im Beitrag über Mantras.