Hatha Yoga und Kundalini Yoga im Vergleich
In Berliner Studios stehen Hatha Yoga und Kundalini Yoga oft direkt nebeneinander im Kursplan. Beide heißen Yoga, beide nutzen Matte und Atem – und doch fühlen sich die Stunden sehr unterschiedlich an. Dieser Vergleich hilft dir bei der Entscheidung.
Gemeinsame Wurzeln
Hatha bedeutet auf Sanskrit „Kraft“ oder „Anstrengung“. Gemeint ist ein Yoga, das über den Körper arbeitet: Haltungen, Atemtechniken, Reinigungsübungen und Energieverschlüsse. Der wichtigste klassische Text ist die Hatha Yoga Pradipika aus dem 15. Jahrhundert, die dem Yogi Svatmarama zugeschrieben wird. Interessant: Schon dort ist von der Kundalini die Rede, die durch Übung erweckt werden soll.
In diesem Sinn ist Kundalini Yoga eigentlich ein Kind des Hatha Yoga. Das Kundalini Yoga, das heute unterrichtet wird, ist allerdings eine eigene Form aus dem 20. Jahrhundert, die Yogi Bhajan mit Mantras aus der Sikh-Tradition verband. Mehr dazu im Leitfaden.
Was „Hatha Yoga“ im Studio meint
Wenn ein Kurs heute „Hatha Yoga“ heißt, ist meist ein ruhiger, klassischer Stil gemeint: Haltungen wie der herabschauende Hund, der Baum, die Taube oder der Sonnengruß werden eingenommen und einige Atemzüge gehalten. Die Lehrkraft achtet auf Ausrichtung und gibt Varianten für unterschiedliche Körper. Am Ende steht Shavasana, die Entspannung in Rückenlage.
Der direkte Vergleich
| Hatha Yoga | Kundalini Yoga | |
|---|---|---|
| Stundenaufbau | frei komponiert | feste Kriya mit Zeitangaben |
| Haltungen | gehalten, Fokus auf Ausrichtung | oft rhythmisch wiederholt |
| Atem | ruhig, mit der Bewegung | vielfältig, auch schneller Feueratem |
| Klang | selten, eher ein „Om“ | viele Mantras und Gesang |
| Augen | meist offen | meist geschlossen |
| Kleidung | Sportkleidung | häufig Weiß, freiwillig |
| Meditation | kurz oder gar nicht | fester Bestandteil |
Wie sich die Stunden anfühlen
Nach einer Hatha-Stunde fühlen sich viele Menschen gedehnt, geerdet und körperlich gearbeitet. Nach einer Kundalini-Stunde beschreiben sie eher ein Kribbeln, eine wache Ruhe und eine veränderte Stimmung. Das liegt an den unterschiedlichen Schwerpunkten: Hatha Yoga arbeitet mehr an Kraft und Beweglichkeit, Kundalini Yoga stärker mit Atem, Wiederholung und Klang.
Die klassischen Asanas aus dem Hatha Yoga – Sonnengruß, Kobra, Krähe, Lotussitz – kommen im Kundalini Yoga zwar vor, stehen aber selten im Mittelpunkt. Wer gezielt an einzelnen Haltungen feilen möchte, ist im Hatha Yoga besser aufgehoben.
Welcher Stil passt zu dir?
- Du willst beweglicher werden und Haltungen genau lernen? Hatha Yoga.
- Du suchst vor allem Ruhe im Kopf und magst Gesang oder Rhythmus? Kundalini Yoga.
- Du hast Rückenprobleme? Beide können helfen – wichtiger als der Stil ist eine Lehrkraft, die auf dich eingeht.
- Du bist schwanger? Achte auf spezielle Kurse, siehe Schwangerenyoga.
Einen breiteren Überblick über weitere Stile, von Vinyasa bis Yin Yoga, findest du unter Yoga-Arten.