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Hintergrund

Sat Nam Rasayan: Meditation als Heilkunst

Aktualisiert am · 3 Min. Lesezeit

Neben Kriyas und Mantras gibt es im Umfeld des Kundalini Yoga eine Praxis, die ganz ohne Bewegung und Klang auskommt: Sat Nam Rasayan. Sie wird als Heilmeditation beschrieben und in eigenen Ausbildungen gelehrt. In Deutschland ist sie seit den 1990er-Jahren bekannt, und schon die frühen Berliner Kundalini-Seiten widmeten ihr ein eigenes Kapitel.

Behandelnde PersonEmpfangende Persongemeinsamer Raum
Zwei Kreise, die sich überlagern, als Bild für den gemeinsamen Raum von Behandelndem und Empfangendem

Der Name

Sat Nam kennst du vielleicht als Gruß aus dem Kundalini Yoga – „Wahrheit ist der Name“. Rasayan stammt aus dem Sanskrit und bezeichnet in der ayurvedischen Tradition Mittel zur Verjüngung und Stärkung. Zusammen lässt sich der Name frei mit „Heilung im heiligen Raum“ oder „Stärkung durch Wahrheit“ übersetzen.

Wie eine Sitzung abläuft

Eine Sitzung dauert meist 20 bis 45 Minuten. Die empfangende Person liegt oder sitzt bequem und bekleidet. Die behandelnde Person sitzt daneben, meist in Meditationshaltung, und berührt manchmal leicht eine Hand, die Schulter oder den Kopf. Es gibt keine Massage, keine Nadeln, keine Hilfsmittel und in der Regel kein Gespräch während der Sitzung.

Die behandelnde Person begibt sich in einen Zustand wacher, stiller Aufmerksamkeit. Nach der Lehre nimmt sie in diesem Zustand alle Empfindungen wahr, die im gemeinsamen „Raum“ auftauchen, ohne sie zu bewerten oder verändern zu wollen. Genau dieses Nicht-Eingreifen soll die Heilung ermöglichen. Viele Empfangende beschreiben anschließend tiefe Entspannung, Wärme oder ein Gefühl von Weite.

Herkunft

Nach der Überlieferung der Sat-Nam-Rasayan-Schulen wurde die Methode über Jahrhunderte schweigend von Meister zu Schüler weitergegeben. Dieser Ursprung lässt sich historisch nicht belegen.

Greifbar wird die Geschichte mit Guru Dev Singh. Er wurde 1948 in Puebla in Mexiko geboren und lernte Sat Nam Rasayan bei Yogi Bhajan. Nach eigener Darstellung beauftragte ihn sein Lehrer, die Methode öffentlich zu unterrichten. 1989 begann er damit in Europa, 1993 gründete er eine eigene Schule. Guru Dev Singh starb 2021. Seine Schülerinnen und Schüler unterrichten heute in vielen Ländern, auch in Deutschland.

Die Ausbildung

Sat Nam Rasayan wird in mehreren Stufen gelehrt. Am Anfang stehen Meditationen, in denen die Teilnehmenden lernen, Empfindungen im eigenen Körper wahrzunehmen, ohne auf sie zu reagieren. Später kommen Übungen zu zweit hinzu. Die Ausbildung zieht sich meist über Jahre. Wer sich dafür interessiert, kann oft zuerst einen Einführungsabend oder eine einzelne Sitzung besuchen.

Was man aus der Praxis mitnehmen kann

Auch ohne Heilversprechen enthält Sat Nam Rasayan eine Idee, die für jede Meditation wertvoll ist: Empfindungen wahrnehmen, ohne sie sofort ändern zu wollen. Ein Ziehen im Knie, Unruhe im Bauch, ein Gedanke an die Arbeit – alles darf da sein. Wer das übt, merkt oft, wie viel Kraft das ständige Dagegenhalten kostet.

Eine einfache Übung dazu: Setz dich für elf Minuten hin, schließe die Augen und registriere jede Empfindung mit einem inneren „ja“. Nichts wegschieben, nichts festhalten. Weitere stille Übungen findest du im Beitrag über Kundalini-Meditation.

Verwandte Methoden im Umfeld

Aus dem Kreis der Kundalini-Lehrenden sind weitere Ansätze hervorgegangen, etwa die tantrische Numerologie als Werkzeug der Selbstbetrachtung. Gemeinsam ist ihnen, dass sie sich weniger an den Körper als an die Wahrnehmung richten – und dass man ihnen am besten mit Offenheit und gesunder Skepsis zugleich begegnet.

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